Schritte zählen für die Gesundheit – so viele Schritte sollte man pro Tag gehen

Ob Smartphone, Smartwatch, Fitnessarmband oder sogar intelligenter Schuh – eine riesige Zahl an Devices will heute bereits unsere Schritte zählen. Viele Devices bieten an, tägliche Schrittzahlen in Form von Rankings mit Freunden zu vergleichen. Woher kommt der Hype um die Zahl unserer Schritte pro Tag?

Viele Schritte pro Tag: Bewegung ist eigentlich unser Naturell

Um die Frage beantworten zu können, warum eine gewisse Zahl an Schritten für die Gesundheit so wichtig ist, müssen wir weit zurück gehen. Der heutige Mensch, der homo sapiens, lässt sich am besten mit dem Menschen aus der Jungsteinzeit vergleichen. Vor rund 14.000 Jahren war der Mensch ein Nomade, ein Jäger und Sammler. Der Alltag bestand daraus, mit dem Sonnenaufgang aufzustehen und sich auf die Jagd zu machen. Essenslager gab es nicht, täglich musste der Mensch auf die Pirsch gehen und sich in der Natur seine Mahlzeiten suchen um gesund bleiben zu können. Früchte und Obst wurden gesammelt, Tiere wurden gejagt. Und zwar nicht mit Fallen, wie man dies heute häufig kennt, sondern er musste viel laufen: Der Mensch war ein Ausdauerjäger. Er hat seine Beute also so lange gejagt, bis dieses erschöpft war und leicht erlegt werden konnte.

Dank Bewegung auf Hochtouren: Bewegung ist das, was uns am Leben hält.

Ein wahrlich mühseliger Alltag, aber mit einer positiven Folge: Der natürliche Zustand des Menschen war besser als heute, er war austrainiert. Er hat sich jeden Tag sehr viel bewegt, konnte lange Strecken ohne Nahrungszufuhr laufen, eine Statistik mit Daten über seine Schrittanzahl oder abnehmen oder zusätzlichen Sport brauchte er nicht. Dank dieser Bewegung läuft der Körper auf Hochtouren: alle Sinne sind geschärft, der Stoffwechsel ist angeregt, der Mensch ist stets alert – Bewegung und Sport sind das, was uns fit und gesund hält. Genetisch sind wir übrigens diesem Vorfahren am ähnlichsten, über die vergangenen 14.000 Jahre hat sich unsere Genetik nur marginal weiterentwickelt.

Vor rund 14.000 Jahren kam es zur ersten Zäsur: der Mensch begann, sesshaft zu werden. Große Menschengruppen lassen sich in fruchtbaren Regionen nieder, beginnen mit der Viehzucht und der Landwirtschaft und bilden ersten Zivilisationen. Über die Jahrhunderte geht die Entwicklung immer weiter, immer größere Gruppen leben in den Ballungsräumen, immer mehr unterschiedliche Berufe entstehen.

Der Wendepunkt

Bis ins späte 19. Jahrhundert ist die Landwirtschaft, trotz der bereits großen Ballungsräume, noch immer der wichtigste wirtschaftliche Zweig. Mit der industriellen Revolution wird dem Bewegungsdrang des Menschen erstmals eine Grenze gesetzt. Statt der vielfältigen Bewegung (rund 10.000 Schritte) auf dem Feld stehen und sitzen viele Menschen viele Stunden an Maschinen, der Bewegungsradius und die Zahl von Schritten am Tag werden erstmals stark eingeschränkt.

Mit der Erfindung der Schreibmaschine vor ca. 150 Jahren dramatisiert sich die Lage. Die Schreibtischjobs werden geboren. Insbesondere ab dem 20. Jahrhundert werden immer mehr Berufe in BĂĽros verlagert, Menschen laufen weniger und sitzen nun den ganzen Tag am Schreibtisch.

Mit der Verbreitung der Computer ab den 1980er Jahren ist der Mensch weiter als je zuvor von seinem jahrtausendealten Vorfahren entfernt. Heute arbeiten in Deutschland mehr als 20 Millionen Menschen in BĂĽros, Bewegung, laufen und Fitness finden kaum noch statt.

AuĂźer auf dem Weg zur Arbeit besteht kein Bedarf mehr an Fitness oder Bewegung, bis zu 11 Stunden sitzt der Mensch heute täglich – und kommt dabei auf gerade einmal ca. 4.000 Schritte pro Tag, das sind nicht einmal drei Kilometer Bewegung. Zum Vergleich: Menschen waren im Schnitt um 1900 mehr als zehn Kilometer unterwegs – pro Tag.

Bewegungsmangel – die Geißel der Zivilisationen

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Zivilisationskrankheit: Wer sich zu wenig bewegt wird krank.

Es ist kein Wunder, dass immer mehr Menschen Schritte zählen. Denn um fit und gesund bleiben zu können, müssen wir uns auch täglich besser um unsere Gesundheit kümmern: Wer sich zu wenig bewegt wird krank. Seit 100 Jahren nimmt die Zahl der Zivilisationskrankheiten drastisch zu. Zivilisationskrankheiten sind Erkrankungen, die die Menschen durch ihre Art zu leben entwickelt haben (und werden deshalb auch häufig auch als Lebensstilkrankheiten bezeichnet). Dazu zählen Rückenschmerzen, Übergewicht, Herz-Kreislauf-Probleme und Diabetes Typ 2, auch einige Krebsarten und Alzheimer sowie Demenz korrelieren mit einem Mangel an Bewegung.

Wo wir hinkommen, wenn wir uns wenig bewegen, zeigt eindrucksvoll der Animationsfilm Wall-E aus dem Jahr 2008. Die Menschheit hat dort die Erde bereits verlassen und bleiben in einem riesigen Raumschiff. Die Bewohner dort sind der Ansicht, besser zu leben als früher und kommen auf exakt null Schritte. Übergewichtig liegen sie in schwebenden Liegen, denken nicht einmal an Fitness oder Sport und lassen sich jede Arbeit abnehmen. Ein erster Zwischenschritt dorthin sind die vor allem in den USA weitverbreiteten Scooter, mit denen stark übergewichtige Menschen den Alltag bewältigen und so immer kränker werden. Schritte zählen fällt dort leicht – bei der geringen Anzahl an Sport und körperlicher Bewegung.

Bewegungsmangel sorgt übrigens nicht nur für körperlichen Verfall, sondern nagt täglich auch an der geistigen Leistung. Wer sich wenig bewegt, fährt seine Fitness und seinen Stoffwechsel herunter, der ganze Körper inklusive des Gehirns fährt in einen Sparmodus. Bei dauerhaftem Bewegungsmangel kommt es zu ernsthaften Schäden. Use it or lose it heißt es in der Natur: Was nicht benutzt wird, geht verloren.

10.000 Schritte pro Tag sollten es sein

Es muss also Bewegung her. Von Gesundheitsexperten wird heute ein Minimum von 10.000 Schritten empfehlen. Dies entspricht in etwa einer Entfernung von acht Kilometern. Die Schritte sorgen über den Tag dafür, dass der Körper stets fit und in Bewegung bleibt. So werden die Muskeln trainiert, der Stoffwechsel kommt in Schwung und das Gehirn erhält immer neue Reize und bleibt so wach und aufmerksam.

Doch wer im Büro arbeitet, der weiß: 10.000 Schritte zu erreichen ist gar nicht so einfach. Häufig schränkt insbesondere die Bürogestaltung die Bewegungsfreiheit eklatant ein. Hinzu kommt, dass Mittagspausen meist in Gruppen abgehalten werden – und ebenfalls im Sitzen. So beschränkt die Zeit für 10.000 Schritte auf die Freizeit. Doch die wird häufig auch im Sitzen verbracht, weil der tägliche Bewegungsmangel keine Lust auf Schritte zählen macht. Ein Teufelskreis.

Smartphones & Wearables sollen fĂĽr Bewegungsbewusstein sorgen

Es ist also weithin bekannt, dass Bewegung der wichtigste Weg zu einer guten Gesundheit ist. Doch der Bewegungsmangel greift weiter um sich, in Deutschland bewegen sich laut einer 2018 veröffentlichten Studie nur noch 43 % der Menschen ausreichend, 17 % weniger als noch 2010. Dramatische Zahlen, obwohl es heute so einfach wie nie ist, über einen Schrittzähler oder eine App seine Schritte zählen zu können und sich zu einem besseren Verhalten zu disziplinieren.

Schon seit einigen Jahrzehnten gibt es mechanische Schrittzähler, die über Bewegung die Schritte pro Tag gemessen haben. Das Auf- und Abgehen wurde vom Schrittzähler (Pedometer) erkannt und so wusste man mit den Daten stets, wie viele Schritte gegangen wurden.

Seit rund 15 Jahren zählen immer mehr elektronische Geräte und Apps die täglichen Schritte.

Den ersten Schrittzähler gab es übrigens schon im Jahre 1780, hergestellt von einem Schweizer Uhrmacher, der bis zu 10.000 Schritte zählen konnte.

Elektronische Pedometer arbeiten genauer als mechanische Schrittzähler. Sie registrieren Bewegung in drei Dimensionen und erkennen so eindeutig, ob ein Schritt oder eine andere Bewegung ausgeführt wird.

Mit der Verbreitung von Smartphone ist das Schrittezählen mit zahlreichen gratis Apps endgültig in der breiten Bevölkerung angekommen. Schritte zählen ist eine der Kernfunktionen von sogenannten Health-Apps, die standardmäßig auf vielen Smartphones installiert sind und die Gesundheit des Nutzers überprüfen und in der App festhalten. Immer mehr Menschen verbinden ihre Smartphones mit Smart Watches (wie z. B. die Apple Watch) und Fitnessarmbändern, die neben Körperfunktionen wie Puls und Stresslevel auch die Schritte zählen. Die Schritte pro Tag sind also jederzeit präsent.

Gamification als Anreiz fĂĽr mehr Bewegung

Doch wie motiviert man nun, nicht nur zum Schritte zählen, sondern um fit zu bleiben auch Schritte zu gehen, wenn der Grenzwert von 10.000 Schritten pro Tag noch nicht erreicht wurde?

Viele Hersteller setzen auf Gamification.

Mit dem Gamification-Prinzip werden gerne langweilige oder monotone Vorgänge interessant gestaltet, da für jedes Erreichen von Meilensteinen kleinere Belohnungen warten. Im App-Store (Play Store/Apple Store) findet man bereits so manche Schrittzähler-App gratis.

Sehr beliebt sind auch Rankings, in denen die Schritte pro Tag mit den Schritten der eigenen Freunde verglichen werden. Jeder möchte natürlich mehr Bewegung als der beste Freund vorweisen oder seine Fortschritte beim Abnehmen verfolgen. Davon profitieren alle: wer immer mehr Schritte geht, der ist viel in Bewegung und tut Körper und Geist etwas Gutes.

Schritte zählen sollte zum Alltag gehören

Noch nie war es so einfach, seine körperliche Aktivität zu tracken.

Smartphone-Apps und Fitnessarmbänder liefern Daten in Echtzeit, die noch vor einigen Jahren nur von sportärztlichen Wissenschaftlern erhoben werden konnten. 10.000 Schritte pro Tag sind realistisch und sorgen dafür, dass man sich einfach besser fühlt. Beim Blick auf die Smartphone-App sollte also immer wieder gecheckt werden, wie viele Schritte gegangen wurden. Und wenn der Schrittzähler weniger als 10.000 Schritte anzeigt, heißt es besser: Schuhe an und raus!